Sawtschenko/Szolkowy und Steuer auf dem Eis


Chemnitz - Die Demonstration der Einigkeit kam nicht von ungefähr: Als der letzte Takt
des Songs von Xavier Naidoo «Was wir alleine nicht schaffen» verklungen war, stemmten
Ingo Steuer und Robin Szolkowy gemeinsam die zierliche Aljona Sawtschenko in die
Höhe.

Nach dieser Geste erreichte der Applaus bei der Eislaufgala «Skating European Champions Tour»
in Chemnitzer seinen Höhepunkt. Rund 2000 Zuschauer begleiteten den
ersten gemeinsamen Auftritt des stasi-belasteten Trainers und seiner Schützlinge in einer Eiskunstlaufveranstaltung mit Standig Ovations.

«Seit drei Jahren sind wir das erste Mal wieder vor heimischen Publikum gelaufen.
Es war die pure Freude», sagte Szolkowy und drehte mit seiner Partnerin Ehrenrunden.
Während sich das erfolgreiche Paar nach seinem Sieg beim Cup of Moskau emotional auf das Grand-Prix- Finale
Mitte Dezember in St. Petersburg einstimmte, bedeutete der Auftritt für ihren Trainer ungleich mehr.

Erstmals seit Bekanntwerden seiner Spitzeltätigkeit für die Staatssicherheit stellte Steuer
sich den heimischen Zuschauer in der Arena. «Es ist mir sehr schwer gefallen, aufs Eis zu gehen. Das war Stress ohne Ende», gab der 40-Jährige zu.
Umso mehr genoss er die Gunst der Fans. «Die Euphorie beim Publikum hat mich an alte Zeiten erinnert», meinte der ehemalige Weltmeister und Olympia-Dritte von Nagano:
«Es ist schön zu wissen, dass so viele Leute hinter einem stehen.»

In seiner Heimat, so scheint es, hat man ihm verziehen. «Dieses Paar und dieser Trainer tun dem deutschen Eiskunstlaufen gut»,
bemerkte die langjährige ehemalige Vorsitzende des Chemnitzer Eislaufclubs, Christa-Maria Schreyer, und auch Trainerlegende Jutta Müller herzte das Paar.
«Chemnitz ist unser Ruhepol», versicherte Szolkowy.

Mit der Wahl des Liedes schickte Steuer zugleich ein Zeichen in Richtung der Deutschen Eislauf-Union (DEU), mit der er seit seiner Demission in Dauerfehde steht.
Zuletzt hatte Steuer mit einer Einstweiligen Verfügung durchgesetzt, Sawtschenko/Szolkowy in Moskau betreuen zu können. Weitere Gerichtstermine stehen an. Mit dem Song demonstrierte das Trio Unzertrennlichkeit.
«Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir alle zusammen», heißt es im Text weiter. «Es war eine bewusste Geste», gab Steuer zu. (dpa)


Aljona Sawtschenko (r) und Robin Szolkowy (l) freuen sich
mit ihrem Trainer Ingo Steuer.

dpa, 03.12.2006
© 2006 Schwäbische Zeitung Online, © Illustration: dpa

 
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